Susanne Reiche
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Autorin

 

"Man braucht keinen großen Garten, ein Dreiviertelhektar tut's auch"

  (Vita Sackville-West, englische Schriftstellerin und Gartengestalterin)

Von solch "englischen Verhältnissen"können die meisten Menschen nur träumen. Stadtbewohner haben oft nicht einnmal einen Balkon und blicken auf dunkle, geteerte Innenhöfe, in denen Mülltonnen stehen und Autos parken. Wer Herr über einen handtuchbreiten Reihenhausgarten ist, kann sich schon glücklich schätzen; nur die wenigsten haben grüne Oasen, die die Bezeichnung Garten wirklich verdienen.  Dabei zeigt der Trend zum Urban Gardening und der Run auf die wenigen Schrebergärten, wie wichtig es gerade für Menschen  im städtischen Umfeld ist, ein Fleckchen Erde zu bewirtschaften und Kräuter und Gemüse oder bunte Blumen für hungrige Bienen zu ziehen. In der Erde wühlen, säen, gießen, ernten, kochen, essen; sich mit Gleichgesinnten über die Grenzen von Alter, Herkunft und sozialer Stellung hinweg austauschen - das hält die Stadtgesellschaft zusammen. Öffentliche Grünflächen sind wichtig (und werden in der Nürnberger Stadtplanung leider vernachlässigt), aber das menschliche Bedürfnis nach Erdverbundenheit können sie nicht erfüllen.

Wir brauchen mehr Garten!

Als Kind habe ich  im Hinterhof unseres Wohnhauses nahe der Nürnberger Burg mein erstes Beet angelegt. Es war etwa so groß wie eine aufgeschlagene Tageszeitung (eher die Nürnberger Nachrichten als die Frankfurter Rundschau), mit wucherndem Unkraut bepflanzt und mit Hasendraht eingezäunt - es diente der Haltung von Weinbergschnecken, die nicht zum Verzehr gedacht waren. Danach gab es viele Jahre lang nur Kästen mit Kräutern und Stauden auf viel zu schmalen Fensterbrettern dunkler Erdgeschosswohnungen - Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Erst nach der Geburt meiner Tochter ging es gärtnerisch bergauf: zuerst eine Dachterrasse  für Töpfe und Kübelpflanzen, danach ein romantisch verwildertes Gartengrundstück in Nürnberg-Thon, das ich günstig von der Mutter eines Freundes gepachtet hatte. Trotz Gärtnerlehre und Biologiestudium war ich gärtnerisch völlig unbeleckt und  musste erfahren, das alle Theorie grau ist. Beim Gärtnern hilft nur eins: Machen, die eigenen Vorstellungen immer wieder mit den vorhandenen Gegebenheiten  abgleichen, die Augen offenhalten und dazulernen. 

Nach meiner Philosophie ist ein Garten  schön, wenn er naturnah ist und allerlei Getier Unterschlupf und Nahrung bietet. Ich sehe die Eibe durchaus als Schnittgehölz, aber minimalistisches Design ist nicht mein Ding - geharkte Kiesflächen, Buchsbaumparterre, Rosenbeete und Springbrunnen harmonieren mit einem Barockschloss, nicht mit einer Gartenhütte. Außerdem soll meine Scholle mich rund ums Jahr mit Kräutern und Gemüse versorgen.  

Seit ein paar Jahren bestelle ich meinen eigenen Garten - ein Wochenendgrundstück in Grossgeschaidt (Gemeinde Heroldsberg) mit herrlichem Blick auf den Albtrauf der Fränkischen Schweiz.  Der Vorbesitzer hatte Vorlieben, die ich nicht teile:  Blaufichten und Thujen, die sechs Meter in den Himmel ragen. Ich bevorzuge prinzipiell eine behutsame Umgestaltung und arbeite gerne mit dem, was da ist, aber in diesem Fall habe ich erst einmal die Motorsäge angeworfen. Der Boden ist eine ganz neue Herausforderung: zu einem Teil reiner Sand, zum  anderen purer Lehm - im  Sommer knochentrocken,  im Winter nass und fest wie Beton. Im jahrelang vernachlässigten Gemüsebeet kämpfe ich mit hartnäckigen Wurzelunkräutern (Ackerdistel und Ackerwinde), die struppige  Wiese ist mit Quecken durchsetzt. Um Staudenbeete anlegen zu können, muss man erst mal die Ärmel hochkrempeln ...  Aber es gibt einen alten Apfel-, einen Kirsch- und einen wunderschönen Zwetschgenbaum und viel Platz für Kreativität.

Mein Fazit:

Man braucht keinen großen Garten, ein zehntelhektar  tut's auch!


  • blüten (27)
    blüten (27)
  • tomaten
    tomaten
  • bohnen (3)
    bohnen (3)
  • IMG_2592
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  • IMG_2645
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  • IMG_3096
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Buchempfehlungen:

  • Monty Don: Genial gärtnern - Biologisch und naturnah (Dorling Kindersley) - Für mich die ultimative Garten-Bibel!
  • Henk Gerritsen: Gartenmanifest (Ulmer) - Das Plädoyer eines Individualisten für eine von der Natur inspirierte Gartengestaltung.


Neues aus der Datsche - der Gartenblog

 

 






 

 

20 .Oktober 2019

Der Herbst ist da!

Im Vordergrund die Chili "Lila Luzi", die auf der Terasse im Topf wächst. Klein, aber oho!

Auf Draht gefädelt und klimaneutral an der Luft getrocknet bringt sie bis zur nächsten Ernte Pfiff ins Essen.



10. Oktober 2019

So kann es enden, wenn man beim Waldspaziergang mit dem Hund die Augen auf den Boden richtet. Die Maronenröhrlinge und der Birkenpilz haben sich alsbald zusammen mit Frischkäse, Zwiebeln und den letzten Kirschtomaten aus dem Garten  in einer Pasta wiedergefunden.

Ein Hauch Bergkäse darüber - passt!

 

 

 

 



Juni 2019

Die erste Ernte steht ins Haus!

Radieschen lieben den feuchten, tiefgründigen und humosen Boden im Hochbeet und bedanken sich mit prallen Knollen.

Daneben gibt es Stachel- und Johannisbeeren, frische Kräuter und die ersten Stangenbohnen.

 

 

 



03. Mai 2019

Ein halbes Jahr nach der Hüftoperation entdeckt Gretchen begeistert die 3. Dimension.



17. April 2019

Veronika. der Lenz ist da, die Vöglein singen trallala! Und der im letzten Jahr gepflanzte Spargel wächst tatsächlich.

Leider ist mein eigener Spargel noch zu spillerig, um ernsthaft was daraus zu kochen. Deshalb Zukauf von außen. Gegrillter Grüner Spargel mit Kartoffelspalten und Salbei-Kabeljaufilet. Immerhin der Salbei ist aus dem eigenen Garten!



April 2019

Wie geil ist das denn: Ernten, ohne gesät zu haben! Unter dem Zwetschgenbaum habe ich einen "Hexenring" Speisemorcheln entdeckt. Und ab damit ins Essen: Hähnchenschenkel mit Paprikagemüse und Morcheln, dazu passen Dinkelnudeln und ein Raddicchiosalat mit Nüssen und Speck.



April 2019

Ein echter Farbknaller: Neben dem Gemüsebeet hat sich eine feurige Tulpenblüte aus einer vergessenen, vom Vorbesitzer des Grundstücks gepflanzten Zwiebel geschoben.



April 2019

Und das sind die Dinge, die da  kommen werden:  Zucchini, Tomaten, Gurken, Palmkohl, Fenchel, bunter Mangold ... Glücklicherweise habe ich einen kleinen Gartenschuppen mit Fenstern, in denen die wärmeliebenden Jungpflanzen die derzeit herrschende "kleine Eiszeit" überstehen können. Nur an lauen Nachmittagen dürfen sie schon mal die Freiheit schnuppern.



April 2019

Und da ist es nun - mein erstmals (fast) unkrautfreies Gemüsebeet harrt der Dinge, die da kommen werden!

Im Vordergrund die (mehrmals tragenden) Himbeeren, aufgelockert von Glockenblumen, die sich kurzerhand selbst ausgesät haben. Eine äußerst dankbare Kultur. Aber braucht halt Platz.

Auch die Hochbeete sind aufgebaut, darin wachsen schon Radieschen, Salat und Lauch. An den Bambusstangen sollen sich ab Mai Feuerbohnen emporranken,

Und im Hintergrund erkennt man (sofern man ein scharfes Auge hat), den im Frühjahr 2018 gesteckten Knoblauch. Im Jahrhundertsommer schien er komplett vom Erdboden verschluckt, ist jetzt aber wieder aufgetaucht!




November 2018

Vor dem Säen die Arbeit: Wurzelunkräuter wie Quecke, Acherdistel und Acherwinde müssen raus aus der Erde. Im lehmigen Boden zwei Spaten tief umgraben ist eigentlich ein Job  für kräftige junge Mäner, nicht für alternde Autorinnen ;-)



September 2018

Morgenspaziergang mit dem Hund



02.08.2018

Geht gut auf Sand, freut Bienen und Hummeln, ist in allen Teilen esbar, sät sich selbst aus und sieht auch abgeblüht noch schön aus: Die Nachtkerze.




02.09.2018

Kommt mit dem heißen Sommer gut zurecht und lockt Schmetterlinge an: Der Sommerflieder (Buddleja davidii), hier ein Baumarkt-Spontankauf.